Gerade gelesen: „Valley of Genius“ von Adam Fisher

VoGDas Buch nennt sich im Untertitel “The Uncensored History of Silicon Valley (As Told by the Hackers, Founders, and Freaks Who Made It Boom)”. Tatsächlich ist das Buch kein durchgehender Text, sondern eine sehr umfangreiche Collage von Zitaten aus über 200 Interviews, die der Autor in den letzten Jahren mit den Machern des Silicon Valley geführt hat. Zu Wort kommen nur die Personen, die tatsächlich dabei waren: Entwickler, Techniker, Investoren, Hacker, Wissenschaftler, Unternehmer. Genau das macht das Buch für mich auch so faszinierend: es ist keine interpretierende Analyse aus dem Blickwinkel des Autors, sondern sammelt die durchaus widersprüchlichen Berichte der unmittelbar handelnden Personen – oral history at its best. Entgegen meiner ersten Befürchtung liest sich das Ganze übrigens leicht und flott und wahnsinnig spannend.

Das Buch beginnt mit dem hierzulande weitgehend unbekannten Doug Engelbart und der „Mother of all demos“ in den sechziger Jahren und endet mit dem Tod von Steve Jobs im Jahre 2011. Dazwischen habe ich auf über 400 Seiten so viel Neues über fundamentale Entwicklungen und herausragende Köpfe gelernt, obwohl ich dachte, mich im Thema schon ganz gut auszukennen. Wie bahnbrechend wichtig aber beispielsweise Xerox PARC oder General Magic und die dort arbeitenden Ingenieure waren, davon hatte ich ehrlich gesagt keine Ahnung. Überraschend war für mich auch, wie sehr das Silicon Valley bis in die Neunziger Jahre hinein „Counterculture“ war, aber auch wie stark männlich dominiert es über Jahrzehnte blieb (tatsächlich tauchen nur eine Handvoll Frauen auf). „Valley of Genius“ erzählt Geschichten und darin ist das Buch sehr stark; ich habe zudem etliche Hinweise auf weitere spannende Bücher gefunden, von denen ich etliche prompt gekauft habe. „Valley of Genius“ ist allerdings keine kritische Analyse der daraus hervorgegangen gesellschaftlichen Entwicklungen. Aber dafür gibt es andere Bücher, z.B. die von Douglas Rushkoff oder zuletzt Dan Lyons.

Für mich jedenfalls war „Valley of Genius“ das faszinierendste Technik-Buch, das ich seit langem gelesen habe, und deshalb kann ich es ausdrücklich empfehlen. Zahlreiche Kapitel zum Einlesen finden sich übrigens hier bei Google Books. Zum Buch gibt es auch eine Website.

Hinweis: Bücher kauft man übrigens am besten beim Buchhändler um die Ecke!

Viel zu spät! Meine Highlights der re:publica

Zwei Wochen ist es nun her, dass die re:publica 2016 zu Ende ging und damit kommt dieser kurze persönliche Rückblick eigentlich viel zu spät. Nun habe ich ihn dennoch geschrieben, denn eigenartig ruhig waren diese vierzehn Tage bislang. Täuscht es mich oder sorgte die re:publica früher für längeren medialen Nachhall? 15 Vorträge habe ich an zwei Tagen gehört – das ist bei siebzehn parallel bespielten Bühnen nur ein Bruchteil des Gesamtprogramms. Doch diese subjektive Auswahl – ich muss es so offen sagen – hat mich in ihrer Gesamtheit eher enttäuscht. Wenig Neues, wenig Gewagtes, wenig Überraschendes. Im Durchschnitt würde ich die Qualität „meiner“ Vorträge mit einer Drei bewerten – und damit weit weniger wohlwollend als die Vorträge der Vorjahre. Doch es gab auch Ausreißer: drei Beiträge haben mir gut gefallen, über einen habe ich mich besonders geärgert. Weiterlesen

Gerade gelesen: „Der Circle“ von Dave Eggers

Wie? Gerade gelesen? Wieso denn jetzt erst? Das Buch ist doch bald schon drei Jahre alt, die deutsche Übersetzung erschien 2014. Nun, ich gestehe: Wird ein Buch als „Must read“ gehypt, lasse ich das meist erst einmal liegen. Bald habe ich soviel Kritiken darüber gelesen und gehört, dass ich eh den Eindruck habe, das Buch schon zu kennen. Genauso ging es mir mit The Circle von Dave Eggers. Da die Diskussion über Privatheit und Überwachung aber bis heute nicht nachgelassen hat, schien es mir jetzt nun doch an der Zeit, das Buch endlich selbst zu lesen.
imageÜberraschenderweise war der Roman eine eher leichte Lektüre, erwartete ich doch einen Text mit literarischem Gewicht von Aldous Huxleys Brave New World oder George Orwells 1984, mit denen Kritiker The Circle häufig verglichen. Jedoch weit gefehlt. Die Geschichte der 24jährigen Mae Holland, die in dem sektenhaft geführten Unternehmen The Circle eine steile Karriere macht, verzichtet auf jegliche kompositorische Komplexität und semantische Vielschichtigkeit und erzählt stattdessen geradeaus und mit eher flachen Charakteren seine – durchaus interessante – Geschichte. Parallelen zu Google und Facebook, die zusammen mit GoPro und Amazon so etwas wie The Circle bilden könnten, sind unübersehbar – bis hin zu einzelnen handelnden Personen. Ein Schlüsselroman ist es aber dennoch nicht. Weiterlesen

Snapchat – ein erster Eindruck

Am 18. März hielt Richard Gutjahr auf den CeBIT Global Conferences einen sehr kurzweiligen Vortrag über Snapchat. Wohl kein anderes soziales Netzwerk wird gerade so stark gehypt – Snapchat als Facebook-Nachfolger, Snapchat als TV-Killer. Angeregt durch Richards amüsanten Erfahrungsbericht habe ich mir einen Account angelegt und in den letzten Tagen ein wenig damit herumgespielt. Sehr weit davon entfernt Experte zu sein, möchte ich dennoch kurz von meinen ersten Eindrücken berichten.


Zunächst einmal: Blutigen Anfängern wie mir macht es Snapchat nicht eben einfach. Bis man die Benutzerführung auch nur ansatzweise verstanden hat, dauert es schon ein wenig. Die verwendeten Symbole sind eher kryptisch, Hilfe bietet die App nicht an. Also googelte ich mich Schritt für Schritt durch die einzelnen Features, wobei mir nach wie vor einiges unklar geblieben ist. Aber es reicht, um die ersten Geschichten zu erzählen. Weiterlesen