Rund 18.000 Juden und Jüdinnen konnten aus dem Deutschen Reich bzw. den deutsch besetzten Gebieten noch bis Oktober 1941 nach Shanghai fliehen. Die von mehreren internationalen Mächten verwaltete chinesische Stadt ließ Flüchtlinge noch weitgehend ungehindert einreisen, als schon alle anderen Ländern ihre Grenzen für jüdische Flüchtlinge geschlossen hatten.
Die Flüchtlinge lebten in Shanghai zwar unter prekären Bedingungen, jedoch ohne politisch verfolgt zu werden. Im November 1942 wurden die jüdischen Flüchtlinge zum Umzug in das Shanghaier Ghetto gezwungen.
Briefhülle aus Berlin Wilmersdorf nach Shanghai vom 13. Juni 1941
Geschrieben von Hanna(?) Sara Plaut, Hohenzollerndamm 193, GHs B. III., Berlin-Wilmersdorf an Herrn und Frau Moritz Plaut, Shanghai-Hongkou, 805 East Seward Road, House 11. Ein Foto der Seward Street ist im deutschen Wikipedia-Eintrag zum Shanghaier Ghetto wiedergegeben.


Über Sender und Empfänger habe ich bislang nur wenig herausfinden können. Möglicherweise handelt es sich bei der Senderin um diese Hanna Plaut, die 1942 zunächst nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Zu Moritz Plaut und seiner Frau, die vermutlich beide das Exil überlebt haben, habe ich noch keine Hinweise gefunden.
Weitere Briefe nach Shanghai aus meiner Sammlung werde ich in diesem Artikel in den kommenden Wochen ergänzen.