Gerade gelesen: „Wenn’s brennt“ von Stephan Reich

Dies vorweg: Ich bin ein großer Freund von „Coming-of-Age“-Romanen. Ich mag ihre Sentimentalität, ihre Wehmut und ihre etwas verklärende Sicht auf das Erwachsenwerden. Stephan Reich erzählt in seinem bereits 2016 erschienenen Roman Wenn’s brennt von den letzten großen Ferien einer langen Jungenfreundschaft: Nach Abschluss der zehnten Klasse wird der Ich-Erzähler Erik eine Lehre bei der Post beginnen, sein Freund Finn wechselt die Schule und verlässt die Kleinstadt. Den letzten Sommer aber verbringen sie noch einmal gemeinsam.

Stephan Reich: Wenn’s brennt. Roman. DVA, 2016. –
Hinweis: Bücher kauft man am besten bei seiner lokalen Buchhandlung.
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Suche nach verlorenen Gräbern

In vier Wochen beginnt die CeBIT und mit wachsender Nervosität sinkt gleichzeitig meine intellektuelle Fähigkeit, mich produktiv mit anderen Themen zu beschäftigen. Daher wird mein Blog in den nächsten vier Wochen nur sporadisch bespielt. Gleichwohl habe ich gestern Abend, angeregt durch Recherchen zu John Cornford (über den ich einen längeren Text plane), auf Youtube nach Videos zu den Internationalen Brigaden gesucht.imageIch möchte Euch hier eines meiner gestrigen Fundstücke empfehlen, eine kanadische Dokumentation, die sich mit einem Aspekt befasst, den ich in meinen ersten Beiträgen zu den Internationalen Brigaden schon habe anklingen lassen: das vollständige und spurlose Verschwinden von Menschen, die für das Gute und Richtige einstanden, damit aber auf der Seite der Verlierer standen. Der Film macht sich auf die Suche nach den Gräbern der gefallenen kanadischen Freiwilligen der XV. Internationalen Brigade. Um es vorwegzunehmen: er hat sie nicht gefunden.

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Hinweis auf Paul Scheerbart

Kürzlich las ich das Bonmot, dass Paul Scheerbart der Autor sei, von dem jeder wisse, dass ihn niemand kenne. Schon 1909 bezeichnete ihn Hanns Heinz Ewers als den „am wenigsten gelesene[n] aller lebenden deutschen Autoren“. Auch wenn beides übertrieben ist: In jedem Fall ist Paul Scheerbart ein Solitär in der deutschen Literaturgeschichte, der sich mit seinen verschrobenen, märchenhaften, oftmals aber auch visionären Texten keinem gängigen Ismus zuordnen lässt.

Einige Scheerbart-Ausgaben aus meiner Bibliothek.

Schon zu Lebzeiten war Paul Scheerbart eher ein in der Literaturszene bekannter Charakter als ein gelesener, geschweige denn erfolgreicher Schriftsteller. Keines seiner Bücher erreichte hohe Auflagen, meist wurden keine zweitausend Exemplare abgesetzt, oft nur wenige hundert. Und auch heute ist Scheerbart weniger für seine phantasiereichen, gelegentlich orientalisch angehauchten Romane bekannt, wie z.B. Tarub, Bagdads berühmte Köchin. Ein arabischer Kulturroman von 1897. Auch nicht für die Bücher, die auf Kometen oder anderen Himmelskörpern spielen – als bekanntester darunter der Asteroiden-Roman Lesabéndio von 1913. Vielmehr schätzt man ihn heute als einen der ersten Schriftsteller, die bahnbrechende technologische Entwicklungen weitergedacht haben. Weiterlesen

Hinweis auf Else Lasker-Schüler

Warum hinweisen auf Else Lasker-Schüler, die wahrscheinlich bekannteste und meistbesprochene deutsche Lyrikerin des 20. Jahrhunderts? Es gibt zahlreiche Biografien und etliche Ausgaben ihrer Werke bei renommierten Verlagen (neben den Gedichten auch Romane, Erzählungen, Dramen und Zeichnungen). Doch nie war es so einfach, Else Lasker-Schüler zu lesen: Seit gestern sind ihre Werke gemeinfrei.

imageElse Lasker-Schüler ist längst eine legendäre Figur der deutschen Literatur. Leitfigur der Berliner Bohème vor dem ersten Weltkrieg, leidenschaftlich lebend, emanzipiert, extravagant, sensibel, ständig pleite, dabei mit nahezu allen Größen aus Kunst und Literatur ihrer Zeit bekannt, liiert – oder verfeindet. Lebensgefährtin von Gottfried Benn und Herwarth Walden, Korrespondentin eines mittlerweile weltberühmten grafisch-literarischen Briefwechsels mit Franz Marc. Ihre Werke erscheinen in den renommiertesten Zeitschriften und Verlagen der Weimarer Republik. Als Jüdin muss sie 1933 aus Berlin in die Schweiz flüchten, später zieht es sie weiter nach Palästina. Sie stirbt am 16. Januar 1945 in Jerusalem.

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Hinweis auf Gunther Tietz

Im Juni 1993 verstarb in Berlin kurz nach seinem 32. Geburtstag der Schriftsteller Gunther Tietz an AIDS. Ich habe ihn nie kennengelernt. Das hätte ich gerne, schrieb er doch die Bücher, die ich damals gerne geschrieben hätte.

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Im Tagesspiegel las ich 1991 oder 1992 eine Buchkritik, die mich neugierig machte. Ein junger Autor, Gunther Tietz, nur unwesentlich älter als ich, beschrieb in seinem Roman Kartoffel is Kartoffel das studentische West-Berlin der Achtziger Jahre. Der Kritiker verglich dessen Schreibstil mit Franz Hessel und Christopher Isherwood, damals wie heute Herrscher in meinem literarischen Olymp.

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