Kürzlich las ich das Bonmot, dass Paul Scheerbart der Autor sei, von dem jeder wisse, dass ihn niemand kenne. Schon 1909 bezeichnete ihn Hanns Heinz Ewers als den „am wenigsten gelesene[n] aller lebenden deutschen Autoren“. Auch wenn beides übertrieben ist: In jedem Fall ist Paul Scheerbart ein Solitär in der deutschen Literaturgeschichte, der sich mit seinen verschrobenen, märchenhaften, oftmals aber auch visionären Texten keinem gängigen Ismus zuordnen lässt.
Einige Scheerbart-Ausgaben aus meiner Bibliothek.
Schon zu Lebzeiten war Paul Scheerbart eher ein in der Literaturszene bekannter Charakter als ein gelesener, geschweige denn erfolgreicher Schriftsteller. Keines seiner Bücher erreichte hohe Auflagen, meist wurden keine zweitausend Exemplare abgesetzt, oft nur wenige hundert. Und auch heute ist Scheerbart weniger für seine phantasiereichen, gelegentlich orientalisch angehauchten Romane bekannt, wie z.B. Tarub, Bagdads berühmte Köchin. Ein arabischer Kulturroman von 1897. Auch nicht für die Bücher, die auf Kometen oder anderen Himmelskörpern spielen – als bekanntester darunter der Asteroiden-Roman Lesabéndio von 1913. Vielmehr schätzt man ihn heute als einen der ersten Schriftsteller, die bahnbrechende technologische Entwicklungen weitergedacht haben. Weiterlesen →